VERITAS Institut für Geschichtsforschung

Forschungsgebiete und Epochen
Wissenschafts- und Forschungsprogramm des VERITAS
Instituts für Geschichtsforschung

Die Regierung Ungarns hat mit der Verordnung Nr. 373/2013 (vom 25. Oktober) das VERITAS Institut für Geschichtsforschung geschaffen.

Die Gestaltung des organisatorischen und personellen Rahmens sowie der Beginn der wissenschaftlichen Arbeit bildeten die wichtigste Aufgabe des Instituts im Jahre 2014.. Daneben legen wir den Schwerpunkt auf die Zusammenarbeit mit den Instituten für Geschichtsforschung, den Archiven, Bibliotheken und Museen. In unserer fachlichen Tätigkeit ist das Wichtigste, die Politik-, Gesellschafts- und Geistesgeschichte des dualistischen Staates (1867–1918), der Zwischenkriegszeit sowie des Zeitraums von 1944 bis 1994 objektiv darzustellen. Um dies erfolgreich zu tun, wurden innerhalb des Instituts drei Forschungsgruppen gebildet:

  1. die Forschungsgruppe für die Epoche der Doppel-Monarchie (1867–1918);
  2. die Forschungsgruppe für die Horthy-Ära (1918–1945);
  3. die Forschungsgruppe für die Zeit nach 1945 (1945–1994).

Die Entstehung des Instituts schafft neuartige Möglichkeiten für die Verbindung zwischen dem Fachgebiet des Historikers und den Medien. Seine Werteordnung ist nämlich der Öffentlichkeit von diesem System von Instrumentarien am effektivsten zu vermitteln. Im Interesse dessen müssen unsere Forscher bereit sein, ihren Standpunkt argumentativ und schlagkräftig zum Ausdruck zu bringen und zu verteidigen. Zugleich müssen sie auch die begründete, durch Daten und Fakten untermauerte Meinung anderer, die mit ihrer eigenen nicht übereinstimmt, respektieren und dabei das Grundprinzip achten, dass in der Geschichtsforschung auch mehrere, mitunter einander widersprechende Interpretationen Geltung haben können.

Daher halten wir die Beachtung der folgenden Gesichtspunkte in der Tätigkeit des Instituts und deren maximale Einhaltung für besonders wichtig, ja sogar entscheidend:

  1. die sachgemäße, faktengetreue, auf Primär- (Archiv-)Quellen beruhende und zugleich in Kenntnis der modernen geschichtstheoretischen Tendenzen entwickelte Betrachtungsweise in der Forschung;
  2. die Herausarbeitung eines angemessenen fachlichen Systems von Argumenten zur Korrektur der Verzerrungen des ungarischen Geschichtsbewusstseins, die sich vor allem in der Beurteilung der Epoche zwischen 1867 und 1994 manifestieren;
  3. die Einbeziehung junger Fachleute und die Gewährleistung günstiger Forschungsmöglichkeiten für sie im Institut.

Die Veröffentlichung der Forschungsergebnisse des Instituts geschieht in dem für eine jährliche Erscheinungsweise geplanten Jahrbuch sowie in ungarischen – und nach Möglichkeit ausländischen historisch-politischen Fachzeitschriften sowie Büchern.

Das VERITAS Institut für Geschichtsforschung organisiert jährlich zwei bis drei größere - nationale bzw. internationale – und einige kleinere Workshop-Konferenzen sowie ab Herbst 2014 in monatlicher Folge Vortrags-(Diskussions-)Reihen (mit der Teilnahme eigener Mitarbeiter und externer Experten), ferner schließt es sich auch als Ko-Organisator Tagungen an, die von anderen Forschungsstätten veranstaltet werden.

Zielstellungen der Forschungsgruppe für die Epoche der Doppel-Monarchie

Die Forschungsgruppe soll:

  1. im Diskurs der umstrittenen Fragen des Zeitraumes zwischen 1867 und 1918 eine aktive Rolle spielen;
  2. mit besonderer Aufmerksamkeit die sachliche Darstellung der Person von Graf István Tisza begleiten;
  3. ebenso die Ereignisse der Periode des Ersten Weltkrieges sachgemäß darstellen;
  4. den Schwerpunkt ihrer Forschungen auf die Analyse des Wirkens, der Geschichte und der Rolle der zweiten Wekerle-Regierung (1906–1910) legen, die bislang wenig Aufmerksamkeit erhielt. Diese Regierung bestand nämlich nicht nur vom Gesichtspunkt der Epoche, sondern auch der universellen ungarischen Geschichte aus maßgeblichen Politikern, sie ergriff zahlreiche bis heute wirkende Maßnahmen und führte zugleich das letzte ruhige Regime der Belle Époque.

Zielstellungen der Forschungsgruppe für die Horthy-Ära

Die Forschungsgruppe will sich mit den viel diskutierten – doch nur teilweise geklärten – Fragen der Zwischenkriegszeit befassen, wie etwa mit:

  1. der Symbolik der Politik;
  2. der Rolle der Vernetzungen, die Verwaltung, Politik und kulturelles Leben miteinander verbinden;
  3. dem Numerus Clausus;
  4. beziehungsweise den Gesetzen über das Wahlrecht;
  5. außerdem mit dem europäischen Vergleich des Bildungssystems;
  6. der Geschichte der Beziehungen in Kultur und Wissenschaft Ungarns und des deutschen Sprachraums;
  7. sowie der Geschichte der gegen den Volksbund organisierten Bewegung Treue zum Vaterland;
  8. der Frage des Jahres 1944 als kulturell-geistige Tragödie;
  9. den grundlegenden Veränderungen in der Verwaltung und im Parlament Ungarns nach der deutschen Besetzung.

Zielstellungen der Forschungsgruppe für die Zeit nach 1945

Hauptrichtungen der Forschungsgruppe:

  1. Streitfragen des Zeitraums zwischen den Militäroperationen der Roten Armee 1944 in Ungarn und 1994 im Diskurs;
  2. Einführung, Ausbau und „Blütezeit" der politischen Ordnung vom „Moskauer" Typ in Ungarn;
  3. Geschichte des Widerstands gegen das Stalinregime;
  4. Erschließung des Materials über die Angeklagten und die später auf der Grundlage von Beschuldigungen wegen des Krieges und wegen Volksfeindlichkeit in Strafverfahren erster Instanz aufgrund der Paragraphen im Gesetz Nr. VII aus dem Jahre 1945 Verurteilten durch die individuelle Analyse der im Archiv der Hauptstadt Budapest aufbewahrten Dokumente der zeitgenössischen Archivbestände der Budapester Volksanwaltschaft und des Budapester Volksgerichts (und der mit Letzterem verschmolzenen entsprechenden juristischen Dienste von Balassagyarmat, Eger, Esztergom, Székesfehérvár und Szolnok);
  5. die kádársche Vergeltung außerhalb des Systems der Justiz;
  6. die politische Gerichtsbarkeit nach 1963;
  7. Tiefeninterviews mit Mitgliedern und führenden Politikern der Regierungen unter Dr. József Antall und Dr. Péter Boross sowie die Erschließung entsprechender Archiv- bzw. Registraturdokumente.