VERITAS Institut für Geschichtsforschung und Archiv

VERITAS-Abend

03. März 2020

Am Dienstag, den 3. März um 18.00 Uhr findet die 51. Diskussion der Reihe der VERITAS-Abende unter dem Titel  Ein Kulturkampf vor 125 Jahren - Das Kirchenpolitische Reformpaket statt. Forschungsgruppenleiter Róbert Hermann führt als Moderator durch den Abend, der Historiker Norbert Csibi, wissenschaftlicher Oberassistent (Universität Pécs), und unser Kollege Ádám Schwarczwölder erörtern das Thema. 

 

Im Laufe des Abends kommt der ungarische „Kulturkampf” zur Sprache, der in den Jahren 1894-1895 seinen Höhepunkt erreichte. Als Ergebnis entstanden – zwar auf einem Weg voller Schwierigkeiten – die sogenannten kirchenpolitischen Gesetze (Nrn. XXXI-XXXIII./ 1894, sowie XLII.-XLIII./ 1895). Zu dieser Zeit begann die staatliche Matrikelführung, denn bis dahin wurden die Bürger des Staates, der sich für bürgerlich hielt, nur von den Kirchen standesamtlich eingetragen. Ferner wurde die standesamtliche Eheschließung verbindlich gemacht und reguliert, welcher Konfession Kinder von Eheleuten mit unterschiedlicher Religion angehören sollten. Genehmigt wurde auch, dass der Staatsbürger keiner der Konfessionen angehörte. Die Israelitische Religion erlangte die Gleichberechtigung mit der christlichen (anerkannten) Religion, außerdem wurde auch die Gründung weiterer Kirchen ermöglicht.

Diese liberalen Reformen, die vor  125 Jahren als sehr bedeutend galten, bewegten und spalteten die damalige Gesellschaft. Am meisten war natürlich die katholische Kirche gegen die Schmälerung ihrer jahrhundertealten  Rechte. Auch die Politiker waren in dieser Frage geteilter Meinung, viele von ihnen konnten die Reformen nicht mit ihren religiösen Gefühlen vereinbaren und/oder wollten sich nicht dem Einfluss der höfisch gesinnten Aristokratie entgegenstellen. Die kirchenpolitische Frage hat die ungarischen parlamentarischen Parteien, die sich in Verbindung mit der  staatsrechtlichen Frage organisierten, vorübergehend mit der konservativ-liberalen Achse verbunden: Am Ende des Kulturkampfes entstand (gerade zum Schutz der Rechte der katholischen Kirche) die Katholische Volkspartei.

Warum kam es genau um diese Zeit zum Kulturkampf? Wie gelang es der Wekerle-Regierung, die Reformvorschläge durchzubringen? Welche Besorgnisse warfen die Gesetzesvorschläge aus kirchenrechtlicher und theologischer Sicht auf, und wie versuchten die Kirchen, sich zu schützen? Inwieweit gestaltete sich die politische Palette um? Was  verleitete den  zutiefst religiösen Franz Joseph, die Gesetze letzten Endes zu sanktionieren?  Welche Rolle spielten Lajos Kossuths Stellungnahme sowie sein Tod, der genau inmitten der parlamentarischen Diskussion eintrat? Welche gesellschaftlichen Umgestaltungen folgten nach der kirchenpolitischen Gerichtsbarkeit? Mit diesen und ähnlichen Fragen werden sich die Akteure des Abends auseinandersetzen.

Ort: VERITAS Institut für Geschichtsforschung und Archiv, 1093 Budapest, Zsil-Str. 2–4

Zeitpunkt: Dienstag, 3. März 2020, 18.00 Uhr

Von dem Ereignis werden Foto- und Videoaufnahmen gemacht, die auf unserer Website veröffentlicht werden und in archivierter Form auf Jahre zurück abrufbar sind.

 

Die Veranstaltung wird durch den Nationalen Kulturfonds NKA gefördert.

 

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Bilder vom Ereignis