VERITAS Institut für Geschichtsforschung und Archiv

14. November 2015

Im Rahmen einer Konferenz am Samstag, den 14. November wurde des 50. Todestages des Bischofs und Franziskanermönchs István P. Uzdóczy-Zadravecz im Festsaal der Berufsmittelschule St. Emmerich in Esztergom gedacht. Hauptschirmherren der mit einer Gedenkfeier verbundenen wissenschaftlichen Konferenz waren Feldbischof László Bíró sowie der höchste Vertreter des Franziskanerordens, der Minister Provinzial P. Dr. Benedek Dobszay. Auf der Veranstaltung hieltder Generaldirektor des VERITAS Instituts für Geschichtsforschung, Sándor Szakály, einen Vortrag mit dem Titel Die Entstehung der Nationalarmee. Anschließend übernahm er den Vorsitz der Gedenksitzung am Nachmittag. Zum Ausklang des Tages fanden eine heilige Messe, eine Kranzniederlegung und ein Stehempfang statt.

István Zadravecz, von dem auch heute noch sehr wenig zu hören ist, wurde 1884 in Csáktornya/Čakovec/Tschakturn (heute Kroatien) geboren. In jungen Jahren, erst 14jährig trat er dem Franziskanerorden bei. Später war er Student der Theologie in Zagreb. Alajos Tamás, der damalige Minister Provinzial des Ordens, entsandte ihn in das St. Antonius-Kollegium (Antonianum) nach Rom, wo er Dogmatik und Rhetorik studierte. In beiden Disziplinen erwarb er den Doktortitel. 1907 wurde er in der Lateraner Basilika zum Priester geweiht. Nach seiner Heimkehr unterrichtete er in Baja und Gyöngyös und wurde mit der Zeit Prior des Ordenshauses in Szeged. Während des Ersten Weltkrieges half er bei der seelischen Stärkung der kämpfenden Soldaten beziehungsweise nahm an der Betreuung der Verwundeten teil. Gemeinsam mit dem Rabbiner von Szeged Immanuel Löw trat er energisch gegen den Antisemitismus auf und widersetzte sich offen Béla Kun. Später entwickelte er freundschaftliche Beziehungen zu Miklós Horthy, der bei Fürstprimas János Csernoch dafür eintrat, dass Zadravecz vom Heiligen Stuhl den Titel Feldbischof erhalten konnte. 1920 kam in seiner Person ein Mensch voller Ideen und Träume an die Spitze der Militärseelsorge, der die Seele des Heeres erneuern, das seelische Leben und die ungarische Identität der Soldaten mit römisch-katholischer Religion innerlich edler machen wollte. Nach dem Zweiten Weltkrieg sowie zur Zeit der Auflösung der Mönchsorden war er vielen Prüfungen ausgesetzt, zwei Jahre lang schmachtete er sogar im Gefängnis, verließ aber Ungarn auch nach seiner Freilassung nicht. Insgeheim weihte er 30 Seminaristen, obwohl er aus der Hauptstadt Budapest verwiesen worden war. Wann immer es nötig war, gewährte er verfolgten Juden physischen Schutz. Nach dem Tod seiner Mutter war er in der Pfarre Zsámbék (bei Budapest) tätig. Die ständigen Behelligungen von Polizei und Friedenspriestertum begleiteten ihn bis zum Sterbebett. István Zadravecz starb am 13. November 1965.

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