VERITAS Institut für Geschichtsforschung und Archiv

Kirchenautonomien und Gemeinschaften Anfang des 20. Jahrhunderts

06. Oktober 2015

Zu welchen Ergebnissen haben die liberalen, kirchenbezogenen Gesetze der Wekerle-Regierung geführt? Welche waren die üblichen und anerkannten Konfessionen? Wer gewann mit den Wekerle-Gesetzen? Ist eine Gleichgültigkeit gegenüber Religion eingetreten? Unterstützte der Episkopat die Katholische Volkspartei? Auf diese Fragen suchten die Teilnehmer der Diskussionsreihe des VERITAS Instituts für Geschichtsforschungam 6. Oktober Antworten: Dr. András Gergely, Leiter der Forschungsgruppe für die Zeit des Dualismus, Dr. Csaba Máté Sarnyai, Dozent an der Gáspár Károli Universität der Reformierten Kirche und Dr. Kálmán Árpád Kovács, wissenschaftlicher Mitarbeiter von VERITAS.

SCSM 260

Die Gesetze aus den Jahren 1894 und 1895 haben in der Geschichte der Kirchen in Ungarn eine neue Epoche eröffnet. „Die Rolle des Staates hat sich verändert und er nahm die Funktionen in die Hand, die früher primär den Kirchen gehörten“, hob Csaba Máté Sarnyai hervor. Durch das Gesetzespaket von Wekerle wurde der Staatsbürger zunächst zum Bürger des Staates und erst auf der zweiten Ebene zum Mitglied irgendeiner Konfession.

Die vorherrschende Religion ist ein vom ungarischen Staatsrecht theoretisch abgelehnter, praktisch dennoch beschriebener Begriff. Er bedeutet die hervorgehobene Stellung der katholischen Religion gegenüber den anderen anerkannten Religionen. Daraus blieb für die Protestanten in der Zeit nach 1895 ein größeres prinzipielles Unrecht, dass nämlich der Staat und seine Regierung offiziell lediglich einen religiösen Kult, den römisch-katholischen, kennen und ausüben. Wenn wir von den anerkannten Religionskonfessionen sprechen, handelt es sich um Religionen, die in den Landesgesetzen verankert sind, d.h. die für ihre Glaubensprinzipien und ihre Funktion verfassungsmäßige Garantien erworben hatten. Zu ihren Merkmalen gehören die festgelegten Glaubensprinzipien, eine beträchtliche Population und eine gesellschaftliche Einbettung. Sie haben das Recht auf eine Selbstverwaltung im gesetzlichen Rahmen, d.h. auf Autonomie und die Unterhaltung von Einrichtungen. Zur Gewährleistung ihrer Rechte können sie öffentliche Einnahmen und Hilfe der öffentlichen Gewalt in Anspruch nehmen.

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