VERITAS Institut für Geschichtsforschung und Archiv

VERITAS-Abend

02. Februar 2016

Schaukelpolitik?

Die Person Miklós Kállays löst keine so heftigen Diskussionen und Antipathien aus, wie andere führende Politiker seiner Zeit oder einzelne Mitglieder seiner Regierung, die später noch eine Rolle spielten. Wie es scheint, blieb eher ein oberflächlich „bereinigtes” Bild von ihm in der imaginären historischen Porträtgalerie erhalten. Ein Porträt, das – poetisch und bildlich gesprochen – von einigen festen Gemeinplätzen in einen zu ihm in Wirklichkeit weniger passenden verschnörkelten Rahmen gefasst wird. Die im Titel mit Fragezeichen versehene „Schaukelpolitik” ist einer der bekanntesten – und fügen wir gleich hinzu: ärgerlich falschen – Gemeinplätze. Denn es ist mehr als verständlich, dass seine Ziele und Manöver nicht offen im Mittelpunkt seiner Politik stehen durften. (Obwohl er auch vor einem größeren Plenum oft ziemlich aufrichtig formulierte), zeigte er vom Augenblick seiner Ernennung bis zu den gesetzten Zielen eine gerade Linie auf. Vor seinem Amtsantritt überreichte er Horthy ein aus fünf Punkten bestehendes Programm, dessen Kern im Folgenden bestand: die erhalten gebliebene Unabhängigkeit bewahren, vom Verlorenen einiges bis zum möglichen Ausmaß zurück erlangen, weiteren deutschen Forderungen Widerstand leisten, die Armee intakt halten, mit den Angelsachsen verhandeln und um dies zu verdecken eine deutschfreundliche Propaganda betreiben und vor allem die Okkupation des Landes vermeiden. Auch im Lichte dieser Zielsetzungen werden die Diskussionspartner bemüht sein, die schicksalhafte zweijährige Periode Kállays als Ministerpräsident zu behandeln. Die Vortragenden wollen die Geschehnisse dieser zwei Jahre so auf die Waage legen, dass die festsitzenden Gemeinplätze beiseitegelassen werden, damit die Zuhörerschaft um ein weit bunteres, plausibleres Gesamtbild reicher wird, das zugleich zum Nachdenken anregt. Ein weiteres Ziel besteht darin, dass die Zuhörerden Ort des Gesprächs nicht im Bewusstsein der früher fixierten falschen Vorstellungen verlassen müssen.

Mitwirkende Historiker des VERITAS-Abends am 2. Februar ab 18.00 Uhr sind Privatdozent Univ.-Prof. Pál Pritz, Doktor der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, sowie vom VERITAS-Institut der wissenschaftliche Hauptmitarbeiter András Joó und Forschungsgruppenleiter Gábor Ujváry als Moderator.
Alle Interessenten sind herzlich willkommen!




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