VERITAS Institut für Geschichtsforschung und Archiv

Eszter Zsófia Tóth: József Antall und die Staatssicherheit

08. April 2016

Am Freitag, den 8. April 2016 um 18.00 Uhr, präsentiert Dr. Katalin Kónya-Kutrucz, stellvertretende Generaldirektorin des Historischen Archivs der Staatssicherheitsdienste (ung. Abk. ABTL) im Kammersaal des Kulturzentrums Kossuth in Cegléd, (Kossuth-Platz 5/a) den fünften Band der VERITAS-Bücher (Antal József és az állambiztonság) dem breiten Publikum.

„In letzter Zeit, konkret am 7., 8., 9. und heute, den 10 Februar 1968 (während ich meinen Brief schreibe) werde ich ständig observiert. (…) Dank meinem guten Gesichtsgedächtnis, das sich bei mir als Lehrer entwickelt hatte, erkannte und erkenne ich genau die männlichen und weiblichen Angestellten, die mich in Pkws und zu Fuß (im Autobus und in der Straßenbahn) begleiten und vor meinem Aufenthaltsort herumstehen.(…) Auch jetzt konnten sie beobachten, dass ich heute früh meinen Sohn zur Schule brachte (am nächsten Tag brachte ich einen Handkoffer in die Reinigung), von dort wurde ich täglich ins Museum begleitet, von dort in eine andere Abteilung, in die Bibliothek und zurück.” József Antall spürte auf diese Art und Weise seine Observation durch die Staatssicherheit und schrieb mit diesem Text einen Brief an János Kádár, damit die Observation eingestellt wird.

Dieser Band ist eine organische Fortsetzung der 2015 in der Reihe der VERITAS-Bücher erschienenen Publikation mit dem Titel „Antall József útja a miniszterelnökségig”(„József Antalls Weg zum Amt des Ministerpräsidenten”). Veröffentlicht werden von den im ABTL aufbewahrten Dokumenten die vollständige Akte József Antalls und ausgewählte Agentenberichte mit einer einleitenden Studie. Beim Lesen der Texte gewinnt man einen Einblick in den Alltag der Familie Antall, in ihre politischen Ansichten in den 1960er-Jahren. Ferner wird erläutert, wie die Observation der Staatssicherheit in der Praxis funktionierte: Der Agent, der sich mit seinem Führungsoffizier alle zwei Wochen um 8.00 Uhr morgens traf, hatte mit den Observierten regelmäßig telefonischen Kontakt zu halten. Es kam aber auch vor, dass der Mitarbeiter der Staatssicherheit die Person, die er zu observieren hatte, nicht erkannte, und daraus entstanden komische Situationen.

Diesen Band empfehlen wir allen, die sich für die bisher nicht erschlossenen, verborgenen Geheimnisse der Geschichte unserer jüngsten Vergangenheit interessieren.