VERITAS Institut für Geschichtsforschung und Archiv

02. Juni 2016

Am Trianon-Gedenktag, derzum siebenten Mal im Komitatsarchiv Veszprém des Ungarischen Nationalarchivs stattfindet, hält László Orosz, wissenschaftlicher Hauptmitarbeiter des VERITAS Instituts für Geschichtsforschung, einen Vortrag mit dem Titel Die Ungarndeutschen und der Frieden von Trianon.

Ort: Komitatsarchiv Veszprém, Festsaal (Veszprém, Ignác-Török-Str. 1.).

Beginn: Donnerstag, 02. Juni 2016, 16.00 Uhr

Auf der Einladung zur Veranstaltung schauen sich die vor die bekannte Rote Karte von Pál Teleki montierten schwäbischen jungen Frauen (von Márkó) aus dem Komitat Veszprém verwundert die Nationalitätenvielfalt im historischen Ungarn an. In den Augen eines Teils der Ungarndeutschen, die durch ihre historische Entwicklung äußerst heterogen waren, zerfiel die grundlegend friedliche Koexistenz der Ungarn und Deutschen, die seit mehreren hundert Jahren zusammen gelebt hatten, um die Wende des 19. und 20. Jahrhunderts endgültig. Im Gegensatz zur historischen Schicksalsgemeinschaft mit dem Ungartum und der von vielen als notwendig erachteten Assimilation wurden Stimmen der Isolierung, der Dissimilation immer lauter.

Ein anderer Teil – die viel größere Masse – der Ungarndeutschen bestand aber nach wie vor auf seiner „hungarus”-Identität, die im Mittelalter entstanden war und nicht einmal von der geistigen Strömung des Nationalismus angegriffen wurde. Er hielt sein staatspatriotisches Gefühl aufrecht. Eine Führungsgestalt dieses Lagers war der angesehene Germanistikprofessor an der Budapester Universität Jakob Bleyer, der die „doppelte Identität” der ungarischen Schwaben, d.h. die Vereinbarkeit des vererbten deutschen Charakters und der ungarischen Mentalität, das gemeinsame Erleben der Bindung zum (engeren deutschen) Volkstum und zur (breiteren ungarischen) Nation verkündete, zugleich den neuerdings Mode gewordenen Gedanken der Selbstbestimmung ausgesprochen ablehnte. Er meinte nämlich, diese könne nur zum Separatismus führen, und gefährde so die territoriale Integrität des Landes. Außer den Ungarn waren vermutlich die Deutschen am allerwenigsten am Zerfall des ungarischen historischen Staatsrahmens interessiert.

Im Gegensatz zu den übrigen Nationalitäten: zu wem, wohin hätten sie sich abgespalten? Welch schlechtere Aussichten hätten sich geöffnet, um die deutschsprachige Gemeinschaft zusammenzuhalten und nach Möglichkeit zusammenzuschweißen, wenn sie dem gesteigerten Nationalismus der neu entstandenen Nachfolgestaaten ausgesetzt ist! Der Vortrag will auch belegen, dass die Ungarndeutschen durch den Frieden von Trianon sogar größere Verluste als die Ungarn erlitten. Sie verloren Dreiviertel ihrer Zwei-Millionen-Population, ihre Einwohnerzahl reduzierte sich somit auf 550.000. Hinzu kommt, dass gerade die Blöcke mit der am stärksten beschleunigen Assimilation auf dem Gebiet des verstümmelten Landes verblieben.

 

Einladung