VERITAS Institut für Geschichtsforschung und Archiv

Aus Anlass  des 100. Jahrestages der Unterzeichnung des Friedensdiktats von Trianon führte die regionale Website Szeged.ma mit unserem Kollegen Dr. Máté Gali ein Gespräch darüber, was das Komitat Csongrád (mit Sitz in Szeged) bei der Verstümmelung des Landes verloren hatte.

„Die Gebietsabtrennungen betrafen das Komitat Csongrád  unmittelbar, denn das Dorf Horgos und seine Umgebung, insgesamt 107 Quadratkilometer und über 8000 Einwohner, wurden nämlich dem Serbisch–Kroatisch–Slowenischen Königreich  angeschlossenˮ,  begann Dr. Máté Gali, wissenschaftlicher Mitarbeiter des VERITAS Instituts für Geschichtsforschung und Archiv, die Analyse der Vergangenheit. „Horgos hatten die ungarischen Truppen im Frühjahr 1941 beim Zusammenbruch Jugoslawiens wieder eingenommen, nach Ende des Krieges gelangte die Ortschaft erneut zu Jugoslawien und ist seitdem Teil des südslawischen Staatesˮ, fügte er hinzu.

Dr. Máté Gali führte weiter aus, dass Csongrád nach 1920 zu einem Grenzgebiet wurde, die früheren Wirtschaftsbeziehungen des Komitats wurden erschüttert, weil die neu gezogenen Grenzen die Wirtschaftsverhältnisse der Region und die früher entstandene Ordnung der Agglomerationszentren modifizierten. „Der Handel in südlicher Richtung kam praktisch zum Erliegen, neue Beziehungen konnten wegen des Fehlens von Eisenbahn- und Straßenverkehr oder deren Unzulänglichkeit nur schwer entstehen. Die Lebensmittelindustrie hatte empfindliche Verluste zu verzeichnenˮ, beschrieb er Details.

Weiter hob er hervor, dass das zur Grenzstadt gewordene Szeged die Ämter für Industrie und Handel, die Organe der Staatsmacht und der Staatsverwaltung, ferner die kulturellen Einrichtungen – alle mit einem Wirkungsbereich von mehreren Komitaten – bewahrte oder  in die Stadt hinüberrettete. „Die Verlegung der Klausenburger Franz-Joseph-Universität 1920 nach Szeged erhöhte die kulturelle Bedeutung der Stadt. Nach dem Umzug des Bischofs von Csanád nach Szeged – von 1923 an – fügte sich die Stadt in den Rahmen der Organisation der katholischen Kirche als Sitz des bischöflichen Vikariats ein,ˮ betonte er.

Gyálarét entstand durch Trianon

Im Sinne des Friedensdiktats von Trianon kam das Dorf Gyála, etwa zehn Kilometer von Szeged entfernt, zum Serbisch–Kroatisch–Slowenischen Königreich. Ein kleiner Teil der Ortschaft verblieb jedoch in Ungarn und wurde unter dem Namen Gyálarét als selbständiges Dorf organisiert. Gyálarét  war zwischen 1921 und 1945 Teil des vereinigten Komitats Csanád–Arad–Torontál, dann fünf Jahre lang des Kreises Torontál im Komitat Csanád. 1950 wurde es dem Kreis Szeged im Komitat Csongrád zugeordnet. Seit 1973 hingegen bildet es einen Teil von Szeged.

Dr. Gali erwähnte, dass sich das Friedensdiktat von Trianon in gewisser Weise auch auf die inländischen Arbeitsmöglichkeiten der Agrarbevölkerung der Komitate Békés  und Csongrád  auswirkte.

– „Vor dem Ersten Weltkrieg kamen Saisonarbeiter, sogenannte Gedingearbeiter nicht nur aus den Komitaten im Oberland, sondern auch aus  Békés und Csongrád nach Mezőföld. Nach Abtrennung der nördlichen Randgebiete des Landes blieb aber der Großteil der Gedingearbeiter aus, daher mussten die verbliebenen Herkunftsgebiete einen im Vergleich zu früher größeren Bedarf an Saisonarbeitern decken, fasste er zusammen.

Freundlichere Vorstellungen

–„Die Friedensvorbereitungskomitees Italiens und Frankreichs legten im Gegensatz zu den Engländern und den Amerikanern auf dem Friedenskongress keine konkreten Grenzvorschläge vor. Die Engländer hätten die Große Schüttinsel, das Partium, die  Batschka und das Dreieck Baranya bei Ungarn gelassen. Das amerikanische Friedensvorbereitungskomitee hätte darüber hinaus Ungarn erlaubt, auch die Karpato-Ukraine zu behalten Die Engländer und die Amerikaner arbeiteten gleichermaßen nach den ungarischen Volkszählungsstatistiken, die die Aufteilung der Bevölkerung der Ortschaften nach der jeweiligen Muttersprache darstellten”, formulierte Dr. Maté Gali.