VERITAS Institut für Geschichtsforschung und Archiv

István Katona (1928–2006) war einer der wichtigsten internen Mitarbeiter János Kádárs. Seine Anfangsschritte fand er am ehesten in den Labyrinthen der Presse nach 1945. Zwar relativ spät, aber im wichtigen Jahr 1968 wurde er unmittelbarer Mitarbeiter des Generalsekretärs des ZK der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei (USAP), dennoch lohnt es sich, die Gedanken kennenzulernen, die Katona insbesondere in der Zeit des Rákosi-Regimes beschäftigten.

Die spätere graue Eminenz war zwischen 1949 und 1952 Bezirkssekretär und Pressereferent der Ungarisch–Sowjetischen Gesellschaft (ung. Abk. MSzT). Zu dieser Zeit sandte er als Arbeiterkorrespondent Zuschriften an das damalige Zentralorgan der Partei Szabad Nép. Wenn man so will, kann man diese ersten Zuschriften als anfängliche Versuche für seine  spätere journalistische Laufbahn und in der Agitation und Propaganda werten. Seine Botschaften, Bemerkungen und Ratschläge stammten in jedem Fall aus seinen eigenen Erfahrungen; er verglich praktisch die Parteiphraseologie, die offiziellen Anweisungen, die Politik mit der Wirklichkeit und machte auf die Unterschiede dazwischen aufmerksam. Seine Lösungsideen stützten sich immer auf sowjetische Beispiele.

Er war noch kein Parteimitglied, als er 1950 begann, die Redaktion mit seinen Anmerkungen und Ideen zu bombardieren. Seinen ersten Beitrag mit einem derartigen Thema versandte er noch nicht unmittelbar unter seinem eigenen Namen, sondern brachte ihn  am 31. August 1950 im Namen der Budapester Jungarbeiter der MSzT-Organisation zu Papier. Der zweiseitige maschinengeschriebene Aufsatz kommentierte einen Artikel der Zeitung mit dem Titel „Tartós békéért, népidemokráciáért [sic!]” (Für dauerhaften Frieden, für Volksdemokratie [sic!]) Das Geschreibsel mit dem Titel Kozmopolitizmus az agresszív amerikai imperializmus fegyvere (Der Kosmopolitismus ist die Waffe des aggressiven amerikanischen Imperialismus) war schon eines der merkwürdigen Produkte der stark antiamerikanischen und anti-westlichen Kulturpolitik der Rákosi-Ära oder  ihrer Kulturrevolution – um die von Révai geprägten Phraseologie der Epoche zu gebrauchen. (József Révai: Kulturpolitiker und Ideologe der Rákosi-Ára). Der junge Katona stellte sich auch selbst in den Dienst dieses besonderen Gefechts, als er die vom Beitrag befolgte Logik weiter spann, ja sogar vertiefte. In seiner Anschauung gewannen der Samba-Tanz und die damit verbundene amerikanische Extravaganz in der Kleidung ebenfalls den Stempel der Reaktion.

Auch Ungarn hatte die Lebensform der Sowjetunion und deren Aufbau des Kommunismus zu übernehmen. Die Musikergewerkschaft, den Tänzerverband und die Besitzer von Tanzschulen hätte er aufgefordert, die amerikanischen Extravaganzen auszumerzen. Es scheint, dass auch er selbst die Bewunderung für die Sowjetunion, für das sowjetische Modell statt für die besondere ungarische Kultur besang.

Wir müssen uns nicht darüber wundern, dass bald Szabad Nép seinen Beitrag veröffentlichte. Er konnte sich den Wirkungen der kommunistischen Diktatur nicht entziehen, doch damit stand er bei weitem nicht allein. Damals marschierten auch die Politiker und Journalisten zusammen mit Rákosi, die später Anhänger von Imre Nagy wurden. Falls wir dies Miklós Gimes, der zur Zeit der veröffentlichten Katona-Zuschriften bei Szabad Nép József Révai zuarbeitete und 1958 zusammen mit Imre Nagy hingerichtet wurde, nicht übel ankreiden, wäre es ein Fehler, uns über Katonas damalige Denkweise zu wundern. Er setzte sich aufs Fuhrwerk des Zeitgeistes, der sechs Jahre später zur Revolution und zum Freiheitskampf 1956 führte.  

Sein erster Beitrag in Szabad Nép leitete jedoch die Prozesse ein, auf die auch die Leiter der kommunistischen Propaganda aufmerksam wurden. István Katonas journalistische Begabung und seine Benutzbarkeit als Pressereferent der Ungarisch–Sowjetischen Gesellschaft zeigten sich zuerst in diesen Zuschriften. 

 

                                                                       Quelle: Archiv des Instituts für Politikgeschichte,
                                                                       Persönliche Akte von István Katona, 983.f.2.ö.e.

von János Rácz