VERITAS Institut für Geschichtsforschung und Archiv

Am 30. August war es achtzig Jahre her, dass das Deutsche Reich und Italien den Zweiten Wiener Schiedsspruch unter Dach und Fach gebracht hatten, in dessen Sinne Ungarn ein 43.104 km² großes Gebiet von Siebenbürgen mit 2.394 Millionen Einwohnern zurückbekam.

Die ungarisch-sprachige Presse in Rumänien veröffentlichte objektive Nachrichten über dieses Ereignis und ermahnte die Ungarn zur Ruhe. Weiter unten bieten wir einen einschlägigen Ausschnitt aus Pressestimmen von Ende August-Anfang September 1940.

Die Klausenburger Tageszeitung Ellenzék (Opposition) hob in ihrem Leitartikel mit dem Titel Im Wiener Palais Belvedere wurde gestern Nachmittag die Entscheidung der Achsenmächte zur rumänisch–ungarischen Frage verlesen hervorgehoben: „[…] laut Mitteilung des Marschall-Amtes des königlichen Hofes akzeptiert Rumänien das schiedsrichterliche Verfahren der Achsenmächte. Donnerstagnacht tagte der Kronrat, der die Mitteilungen der deutschen und der italienischen Regierung, die den Charakter eines Ultimatums hatten, behandelte.” 

Ebenfalls auf der ersten Seite war das Manifest des Präsidenten der Ungarischen Völkergemeinschaft, Miklós Bánffy, zu lesen:

„Ungarn!

Deutschland und Italien haben am 30. August 1940 in Wien über unser Schicksal entschieden. Diesen Beschluss hat der Kronrat unter dem Vorsitz von König Carol II. angenommen.

Den Entscheid der Achsenmächte müssen wir mit Beruhigung aufnehmen.

Liefern wir in dieser historischen Stunde einen Beweis dafür, dass wir Ungarn überall und unter allen Umständen imstande sind, mannhafte Disziplin und das Gefühl ungarischer Würde zu bewahren, von denen wir stets Zeugnis abgelegt haben.

Seien wir weise verständnisvoll gegenüber denen, für die Siebenbürgen ebenfalls das Zuhause ist. Nur auf diese Weise können wir der Erde Siebenbürgens würdig bleiben.

Unsere Worte richten sich an all unsere ungarischen Brüder und Schwestern. An alle Brüder und Schwestern, auch an jene, die außerhalb der neuen ungarischen Grenzen geblieben sind.

Unsere seelische Einheit kann niemals und durch nichts zerstört werden.”

Die Ausgabe der Brassói Lapok (Kronstädter Blätter) vom 2. September berichtet in ihrem Artikel mit dem Titel Nach dem Wiener Schiedsspruch sehr maßvoll über die Ereignisse (vergessen wir nicht: Kronstadt verblieb in Süd-Siebenbürgen): „Rumänien übergibt Ungarn ein Gebiet von etwa 45.000 km2. Die Achsenmächte  garantieren die Unverletzlichkeit der neuen Grenzen Rumäniens. Beide Länder schlagen den Weg der Zusammenarbeit im Zeichen der Abrüstung ein”. Auf Seite 2 wird über die Tagung des Kronrates informiert und der Text des Wiener Schiedsspruchs veröffentlicht.  

Die in Ungarn erschienenen Zeitungen feierten am 31. August und am 1. September begeistert die Wiener Ereignisse. Die Budapester Zeitung Friss Újság brachte eine zweiseitige Zusammenfassung mit Titeln wie Frohlockende Freude im befreiten Siebenbürgen - Rauschende Begeisterung im ganzen Land - Das Abgeordnetenhaus feiert den Landeszuwachs.  Pesti Hírlap veröffentlichte eine Glosse des namhaften Schriftstellers Ferenc Herczeg unter dem Titel Tagesanbruch in Siebenbürgen.  Népszava überschrieb ihren Leitartikel auf der ersten Seite wie folgt: Der Wiener Schiedsspruch überließ Ungarn wieder: Großwardein, Klausenburg, Sathmar, Neumarkt mit Nord-Siebenbürgen und das Szeklerland. Ungarns Volk nahm den Wiener Schiedsspruch in begeisterter Stimmung auf. Auf Seite 3 sind Feuilleton der Redaktion Wir begrüßen die Zurückgekehrten sowie der offizielle Text des Schiedsspruchs zu lesen. Im Gegensatz dazu informiert die ungarische Presse in Rumänien über die Ereignisse in einem sehr zurückhaltenden Ton, kurz und sachlich.

Der Wiener Schiedsspruch schmetterte Rumänien völlig nieder. Das Land verlor im Laufe des Sommers ein Drittel seines Gebietes. Anfang September publizierten die rumänischen Tageszeitungen ohne Ausnahme die einschlägige Rundfunkerklärung des Außenministers Mihail Manoilescu vom 31. August.

                                                                                   Veröffentlicht von Róbert Géczi