VERITAS Institut für Geschichtsforschung und Archiv

Siebenbürgens Hauptstadt ist zum Mutterland zurückgekehrt! -  lautete der Titel der ungarisch-sprachigen Zeitung Ellenzék (Opposition) zu den Ereignissen vom 11. September 1940 in Klausenburg/Kolozsvár/Cluj-Napoca. (Die 1880 gegründete unabhängige politische Tageszeitung von Cluj-Klausenburg war in den 1920er-Jahren durch den bürgerlichen Liberalismus geprägt; sie existierte bis 1944.)

„In der farbenfrohen Atmosphäre unvergesslicher Erlebnisse ist es schwierig, einen exakten Bericht über den gestrigen historischen Tag der Ungarn von Klausenburg zu schreiben. Nach 22 Jahren war der gestrige Tag der erste wahre ungarische Festtag in Klausenburg. Ist es eigentlich möglich, genügend ausdrucksstarke Worte zu finden, wenn wir mit Freudentränen in den Augen Zeugen dessen werden konnten, wie unsere geheimen Träume und beinahe alle für romantisch gehaltenen Herzenswünsche Wirklichkeit wurden? [...] Die Kraft des gedruckten Wortes reicht nicht aus, um die berauschende Schönheit des freudigen Festtages wiederzugeben.  Vielleicht ist der Satz, den ein allgemein geachteter 80jähriger aussprach, als er die ungarischen Honvéd-Soldaten erblickte, am charakteristischsten für diesen Tag. Dieser Satz war eine Danksagung, ein ergriffener Ausruf  an den Allmächtigen. [...] Mit Freudentränen in den Augen sagte der Mann zu der um ihn herum feiernden jungen Generation, wie einst der Romanheld: Es hat sich gelohnt, für diesen Tag  zu leben, jetzt kann ich ruhig sterben! Ja, es hat sich gelohnt, für diesen Tag zu leben! Er war eine reichliche Entschädigung für jede Schicksalsprüfung innerhalb von 22 Jahren! Wir durften erleben, dass ungarische Fahnen erneut unsere Stadt schmücken und die wunderschönen Melodien unserer nationalen Gebete in den uralten Mauern erneut erklingen können. Mit brennender Sehnsucht haben sich alle Klausenburger Ungarn darauf vorbereitet, den Empfang unserer Honved-Armee zu feiern. Schon von den frühen Morgenstunden an herrschte in der Stadt eine festliche Stimmung. Vergeblich lautete die Anordnung, dass  Fahnen und Abzeichen in den Nationalfarben erst nach 8.00 Uhr morgens gezeigt werden dürfen. Schon mit der Morgendämmerung am Tag des Einzugs lieferten die Ungarn von Klausenburg  den unbestreitbaren Beweis dafür, dass diese Stadt ungarisch war und blieb, als ob die Geschichte lebendig geworden wäre. Gruppen in Bocskay-Tracht eilten in Richtung Hauptstraßen. Erneut konnten wir uns an den wunderschönen ungarischen Kleidern der Mädchen und Frauen ergötzen. [...]

Der Einmarsch der Honvéd-Haupttruppen begann erst in den Nachmittagsstunden. Die Ungarn von Klausenburg feierten jedoch schon von den Morgenstunden an. Der Einzug der ersten Autos der Honvéd-Offiziere war ein wahrer Triumphzug. Es hagelte Blumen auf die Kraftfahrzeuge. Wahre Menschenmassen umgaben die ankommenden Militärs. Sie wurden umarmt und geküsst.  Ein jeder hätte ihnen gern die Hände geschüttelt. Bis zum Himmel stiegen die Hochrufe, die immer aufs Neue die Herzen höher schlagen ließen. [...]Es gab kein einziges Haus auf den Hauptstraßen, dessen Fenster nicht voller Zuschauer gewesen wären. Sogar auf den Hausdächern versammelten sich große Gruppen, um den Einzug so gut wie nur möglich verfolgen zu können.

[...] Eine Ehrenwache umgab das wundervolle Denkmal von König Matthias dem Gerechten. Die Menschen standen mit gezogenem Hut vor dem ungarischen Staatswappen, das davon kündete, dass die Geburtsstadt von Matthias Hunyadi wieder zum Mutterland zurückkehrte.

Neues Bild. Aus der Richtung Gyalu traf der erste ungarische Gendarm ein. Die begeisterte Masse hob ihn auf die Schultern und feierte auf diese Weise den Vertreter der ungarischen Verwaltung.  [...] Weit und breit hören wir alte Klausenburger Namen. Zu diesem Freudentag kehrten sehr viele von denen in die Hauptstadt Siebenbürgens zurück, die wegen des veränderten Schicksals gezwungen waren, ihr Zuhause zu verlassen. Die eigentliche Feierlichkeit hatte noch gar nicht begonnen, und schon war dieser wahre ungarische Festtag so innig, dass man ihn nicht einmal mit den genialsten Fähigkeiten als Veranstalter durch vorherige Überlegungen hätte organisieren können.

Zum Bild der Feierlichkeit gehört auch, dass wunderschöne Melodien einer Zigeunerkapelle mit mehreren hundert Mitgliedern erkennen ließen: Das ungarische Lied hatte seine Freiheit wiedererlangt. Und wir hatten uns erneut in den Kreislauf des Lebens im Mutterland eingeschaltet, als am Turm der St. Michael-Kirche die Zeit um eine Stunde zurückgestellt wurde.

Auf dem König Matthias-Platz feierte eine Menge von mehreren tausend Menschen. Auf den Tribünen nahmen führende Persönlichkeiten der Gesellschaft von Klausenburg und Notabilitäten aus Budapest Platz ein. In der Mittagszeit um ein Uhr begann der Aufzug der verschiedenen Delegationen. Gruppen ungarischer Frauenvereine in Festkleidern erinnerten an ungarische historische Gemälde. Sorgsam gehütete alte Fahnen waren hervorgeholt worden, um den Ruhm der ungarischen Vergangenheit, das Glück der Gegenwart und die Hoffnung der Zukunft  triumphierend zu verkünden. Um zwei Uhr hatten schon alle Notabilitäten ihre Plätze eingenommen. Eine halbe Stunde später traf Feldmarschallleutnant Vitéz Gusztáv Jány ein, Kommandeur der einmarschierenden Honvéd-Truppen. Dann erklang die Nationalhymne: Wahrer, schöner und erschütternder wurde das ungarische Gebet nie an den Schöpfer gerichtet. Nach zweiundzwanzig Jahren spürten wir alle: Denn es (das Volk Anm. Übers.) büßte hart genug, Schuld für alle Zeiten. [...] Stundenlang dauerte der Einmarsch der Honved-Truppen in die Stadt. Diese Armee machte die Begeisterung noch selbstbewusster. Sie ließ erkennen, dass sie ein besonderes Potenzial vertritt, sodass sie im Kugelhagel mit gleicher Disziplin ihren Mann steht, wie sie jetzt den Blumenregen empfängt.

Es dämmerte schon, als die Rundfunkbotschaft der Honvéd-Kommandantur an die Bevölkerung übertragen wurde.  Diese Rundfunkbotschaft sprach die Klausenburger  zunächst in ungarischer, dann in rumänischer Sprache an. Den Einwohnern von Klausenburg wurde versichert, dass die Honvéd-Truppen Ordnung und Ruhe brachten. Die ungarische Regierung wird das Wirtschaftsleben aufblühen lassen und jedem Staatsbürger, der die Gesetze in Ehren hält, Gleichheit bieten. Die Tatsache, dass der Rundfunk die Botschaft auch in Rumänisch übertrug, bedeutete auch für die rumänische Bevölkerung der Stadt, dass die ungarische Staatsmacht den Rumänen, die sich den neuen Lebensbedingungen anpassen und weiterhin hier leben wollen, mit der reinsten Absicht, voller ritterlicher Gefühle Lebensmöglichkeiten bieten will.

Langsam wurde es Abend. Die Lampen wurden angezündet und in jedem Fenster verkündeten Kerzen die Freude der Bevölkerung. Die ganze Stadt erstrahlte im Lichterglanz. Zehntaussende Menschen feierten. [...] Nunmehr folgt die Epoche der Arbeit, die verantwortungsvolle, schwierige Arbeit der Neuorganisation der wieder angeschlossenen siebenbürgischen Gebiete. Dieses prächtige ungarische Fest soll Erinnerung für uns sein, die uns stets Glauben spendet, begeistert und zu kreativer Arbeit veranlasst."

 

                                                        Veröffentlicht von Róbert Géczi