VERITAS Institut für Geschichtsforschung und Archiv

Die Zeitung für Politik, Ökonomie und Gesellschaft von Oderhellen/Székelyudvarhely/ Oderheiu Secuiesc Székely közélet (Szeklerisches öffentliches Leben) – veröffentlichte am 11. September 1940 eine Sonderausgabe. Die Titelseite erschien mit einem Artikel unter der Schlagzeile Udvarhely erwartet herzlich die heimkehrenden Honveds. Darin hieß es:

„Erschütternd ist das fieberhafte Bemühen der Einwohner von Udvarhely, mit dem sie sich auf den Empfang der Honveds vorbereiten..., mit Würde und Disziplin. Jeder nimmt selbstlos seinen Anteil an der Arbeit... Leiter von Kirchen, Körperschaften, Frauen- und Männervereinen kümmern sich um die tadellose Lösung der Unterbringung und Verpflegung der Honveds. Udvarhely erwartet seine heimkehrenden Brüder warmherzig, begeistert und stolz, um zu beweisen, wie würdig wir der Erlösung und der Befreiung sind.ˮ

Ebenfalls auf der ersten Seite ist in einer Kurzmeldung unter dem Titel Einrichtung der Realschule abtransportiert zu lesen:

„Das ausrückende  rumänische Militär ließ – wahrscheinlich aus individueller  »nationaler Ambition«, – im Gegensatz zur Vereinbarung im Wiener Schiedsspruch die Einrichtung von Institutionen, Industriebetrieben und Fabriken, die in den Besitz des ungarischen Staates übergingen, in mehreren Orten abtransportieren. Nach der Demontage der Fernsprechzentralen im Szeklerland wurden unter anderem die Einrichtung, die Maschinen und auch der Rohstoff-Vorrat  der Tabakfabrik von Sankt Georgen/Sepsiszentgyörgy/Sfântu Gheorghe  mitgenommen. Die ungebetenen Gäste besuchten die ehemalige Realschule in unserer Stadt und leisteten auch hier eine sehr gründliche Arbeit. Sie brachen die Schränke auf und nahmen alles, was greifbar war, auch die mobilen Möbel mit, man kann sagen, dass sie das Gebäude völlig »ausräumten«. Die ungarische Regierung warnte die rumänische Regierung, dass Ungarn außerstande sei, über diese Art der Vertragsverletzung hinwegzusehen.”

Die Zeitung Székely Nép (Szekler-Volk) von Sankt Georgen berichtete am 16. September in einem Umfang von mehreren Seiten über die Ereignisse im Szeklerland. Im Beitrag mit dem Titel Umgeben von begeistert jubelnden Menschen marschierte das ungarische Heer in Sankt Georgen ein heißt es unter anderem:

„Am Freitagmorgen um sieben Uhr ließen wir noch vom Kraftfahrzeug des braven Miklós Tonka  die rot-weiß-grünen Fähnchen entfernen... Im Sinne einer Verordnung nämlich durfte die Bevölkerung erst um acht Uhr beginnen, die Häuser zu schmücken. Man musste diesen Zeitpunkt sehr beachten. Wegen der verbitterten rumänischen Soldaten  hätte die waffenlose Bevölkerung nur leiden können. Dr. Gábor Kovásznai hisste nur kurz vor dem angegebenen Zeitpunkt die ungarische Fahne, und ein rumänischer Offizier zwang ihn mit gezogenem Revolver, sie einzuziehen.

Trotz des strengen Verbots gab es dennoch einzelne Stadtteile, wo die ungarischen Nationalfarben hie und da auftauchten. Eine wunderbare Handlung überwältigte jeden Menschen. Sie passten geradezu den Abzug des letzten rumänischen Soldaten ab, um dann die Stadt mit den wunderschönsten Farben der Welt zu schmücken […]

An den Fassaden der Häuser erschienen innerhalb einer kurzen Viertelstunde die ungarischen Fahnen. Fahnen? Sankt Georgen  war in einen wahrhaftigen Fahnenwald gekleidet. Was eine halbe Stunde zuvor noch an eine Unmöglichkeit grenzte, wurde jetzt  wundervollste, lebendige Wirklichkeit.

– Ich kann es auch jetzt noch nicht fassen, wo ich es sehe – sagt eine alte Tante mit verweinten Augen. Aber auch andere weinen. Selbst in den Augen der stärksten Männer schimmern Tränen der Ergriffenheit. […]”

Am 20. September begrüßte der Schriftsteller József Nyírő in der Zeitung Keleti Újság (Zeitung des Ostens)  den bevorstehenden Besuch des ungarischen Ministerpräsidenten im Szeklerland. Dabei brachte er seine Zuversicht zum Ausdruck, dass die ungarische Regierung einen zielstrebigen, in die Zukunft weisenden Plan verwirklichen wolle, der das Schicksal des Volkes, der Nation unter allen Umständen garantiert.

Bildquelle: Nachlass der Familien Péter  und Pataky  

Veröffentlicht von Róbert Géczi