VERITAS Institut für Geschichtsforschung und Archiv

Nach dem Zweiten Weltkrieg, dem Sieg über den gemeinsamen Feind, begann das Verhältnis zwischen den früheren Alliierten zu erkalten. Bis zur Unterzeichnung des Friedensvertrags (1947) gab es regelmäßige Abstimmungen, nachher aber verschlimmerte sich das Verhältnis immer mehr. Während die Vereinigten Staaten von Amerika über Atomwaffen verfügten, war die kontinentale Übermacht der Sowjetunion in Europa bedrückend. Die Amerikaner wollten ihre Atomwaffen im Krieg statt an der Front eher im Hinterland einsetzen. Die Sowjetunion wurde daher in Luftabwehrbereiche aufgeteilt, am meisten wurde Moskau geschützt und man rechnete mit der Dislokation der Truppen. Es ist wichtig hervorzuheben, dass die Anzahl der atomaren Mittel mit der Zeit auf das Vielfache erhöht wurde, obwohl als Träger anfangs ausschließlich Flugzeuge zur Verfügung standen. Die Verbreitung der Raketentechnologie von den 50er-Jahren an, bei der den ehemaligen deutschen Ingenieuren eine bedeutende Rolle zukam, schuf eine neue Situation.

In der ersten Phase des Kriegs rechneten die Sowjets mit der Erringung der Luftüberlegenheit, erst danach  hätten sie ihre Landstreitkräfte eingesetzt. Gleichzeitig  waren beide Seiten darum bemüht, den Erstschlag gegen den Feind auszuführen. Die Vereinigten Staaten planten 1954 zum Beispiel, von ihren Stützpunkten, die die Sowjetunion immer mehr einkreisten, die wichtigsten Objekte innerhalb kurzer Zeit zu bombardieren, und dabei rechnete man mit 60 Millionen Toten. Die Sowjets planten dessen anfängliche Abwehr, dann einen Gegenschlag. Deshalb entwickelten sie ihre Bomber, Raketen und ihre Schiffs- und U-Boot-Flotte. Infolge all dessen kam dem Studium der Wirkungen der Kernwaffen in der Sowjetunion und bei ihren Verbündeten eine besondere Rolle zu.

Bis 1949 hatte man die NATO als Hauptfeind angesehen, von diesem Jahr an aber auch schon Jugoslawien. Die Erarbeitung von Angriffsplänen für den "Dritten Weltkrieg" nahm von da an ihren Anfang, auch die Organisation der Streitkräfte wurde stärker forciert. Anfang der 50er-Jahre wurde vermutet, dass Jugoslawien entweder allein eine "Provokation" gegen Ungarn starten oder innerhalb eines größeren Krieges mit Hilfe Italiens das Land angreifen würde. Man meinte, dass Ungarn als Ausgangspunkt eines Angriffes gegen die Sowjetunion benutzt würde. Zugleich würden die in Österreich stationierten sowjetischen Einheiten durch einen Angriff vom Süden von ihren Nachschublinien abgeschnitten und dann die Tschechoslowakei aus  südlicher Richtung angegriffen. Für die Hauptrichtung hielt man die südliche, aber Angst hatte man auch vor der westlichen Richtung. In diesem Fall rechnete man im Donautal  auf der Linie Wien‒Budapest mit einem feindlichen Vorstoß im Norden, im Süden hingegen auf dem Gebiet zwischen Balaton und Velence-See. Letzteres hätte einen immer engeren Korridor in dieser Richtung gewährleistet, hinzu kommt, dass das bergige Terrain und die Donau eine Offensive weiter erschwert hätten. Aus südwestlicher Richtung wurde mit einem Vorstoß im Korridor mit der nördlichen Grenze Villach‒Radkersburg‒Zalaegerszeg‒ Várpalota sowie mit der südlichen Grenze Banja Luka‒Szigetvár‒Káloz gerechnet. Von hier aus erwartete man das Eintreffen amerikanischer und britischer Truppen. Die letztere Richtung bereitete größere Sorge, bei einer Offensive  vom Landesteil zwischen der Donau und der Theiß war eine Zweiteilung des Landes zu befürchten, zumal es hier kein natürliches Hindernis gab; ein Angriff aus dem Dreieck Baranya zielte auf eine Okkupation Transdanubiens ab. Dies hätten auch die vom Westen einrückenden feindlichen Kräfte unterstützt. Um all das abzuwehren war geplant, im gegebenen Fall mit dem rumänischen Heer den Feind von hinten anzugreifen.

                                                                                                              Von Dávid Kiss

Bild: Sowjetsoldaten am 1. Mai 1945 vor der US-Botschaft auf dem Szabadság-Platz. An diesem Tag wurde hier ihr Denkmal eingeweiht. (Quelle: Fortepan)