VERITAS Institut für Geschichtsforschung und Archiv

Feldmarschall August von Mackensen, einer der erfolgreichsten Heerführer des Ersten Weltkriegs, stattete im Mai 1935 Ungarn einen zehntätigen Besuch ab. Diese Reise des Generals spielte sowohl in diplomatischer als auch in gedächtnispolitischer Sicht eine wichtige Rolle: Das zwei Jahre zuvor an die Macht gekommene Nazi-Regime wollte die Verbindungen zwischen dem Königreich Ungarn und dem Deutschen Reich auch durch Mackensens Reise festigen. Unter Beachtung dieser Tatsachen wurde die Reise auf den 20. Jahrestag des Durchbruchs bei Gorlice und des anschließenden Feldzugs angesetzt. Das 85. Jubiläum des Besuchs und der 75. Todestag des Generals bieten eine gute Gelegenheit, die Geschichte dieser Reise zusammenzufassen.

Der 1849 geborene August von Mackensen legte eine glänzende Karriere beim Militär hin. Im Ersten Weltkrieg diente er bis zum Schluss an den  Kriegsschauplätzen im Osten und nahm 1914 an den Kämpfen in Ostpreußen teil. Er war einer derjenigen, die den Gegenangriff von 1915 ausgearbeitet hatten. Nach dem Durchbruch bei Gorlice wurde er zum Feldmarschall befördert. Im Herbst 1915 standen die Kräfte der Zentralmächte, die Serbien okkupierten, unter seiner Führung. 1916 kämpfte er gegen die rumänisch–russischen Kräfte in der Dobrudscha und spielte auch bei der Verteidigung von Siebenbürgen eine wesentliche Rolle, nachdem er auf diesem Kriegsschauplatz bedeutende rumänische Kräfte gebunden hatte. Ende 1918 zog er seine Truppen erfolgreich aus Rumänien ab, er selbst wurde jedoch von der von Graf Mihály Károlyi geführten Volksregierung interniert, dann an die französischen Militärorgane ausgeliefert. Eines der Hauptziele der ungarischen Einladung 1935 bestand darin, diese mit der ungarischen Ehre und Kameradschaftlichkeit unvereinbare Tat zu kompensieren, nachdem der Feldmarschall während seiner Internierung erklärt hatte: „Diese demütigende Behandlungsweise ist Ungarns Dank dafür, dass ich das Land dreimal von der feindlichen Invasion gerettet habe.” Es ist charakteristisch für die Situation, dass im Dezember 1918 über diesen Fall in der Zeitung Világ, die sich maximal loyal zum Regime verhielt, zu lesen war: „Feldherren sind für uns keine Ideale. Den Krieg haben wir gehasst. Wir müssen jedoch sagen: Mackensens Internierung war für uns eine schmerzhafte, peinliche und gnadenlose Aufgabe. In der Schlacht bei Gorlice befreiten seine Truppen Ungarn vom Druck der Armeen des zaristischen Imperialismus, und seine Soldaten verjagten die imperialistischen Truppen der Bojaren Ferdinands von Hohenzollern aus Siebenbürgen. Sein Kriegshandwerk verstand der Feldmarschall sehr gut. Wir hätten uns  gern von ihm mit Anstand verabschiedet. Ein Befehl fremder Eroberer hat uns gezwungen, ihn und seine Armee zu internieren.”

Vitez Miklós Kozma von Leveld (Leiter des Ungarischen Telegraphenbüros MTI) begrüßte ihn 1929  zum 80. Geburtstag  persönlich im Deutschen Reich und lud ihn zugleich nach Ungarn ein.

Kozma hatte im Ersten Weltkrieg als Offizier des kaiserlichen und königlichen Husarenregiments gekämpft, dessen Inhaber der Feldmarschall war, deshalb wurden die Veteranen der Einheit Mackensen-Husaren genannt. Diese Gelegenheit zeigte auf eine würdige Art, dass die Popularität des Siegers von Gorlice seit dem Krieg nicht verblasst war, denn er bekam etwa dreitausend Briefe mit Glückwünschen aus Ungarn. Aus dem herausragenden Anlass begrüßten ihn ehemalige Kameraden und Anhänger mit einer Festschrift. Das 65 Seiten lange Gedenkbuch ehrte den betagten Feldmarschall "als Vorbild edelster militärischer Tugenden". Der Regimentsinhaber nahm die Husaren erfreut auf und berichtete Kozma folgenderweise:  „Sie können zu Hause erzählen, dass ich mit Gottes Hilfe in meinem 80. Lebensjahr stark und gesund bin und ich hoffe, dass ich noch einige gute Jahre zu leben habe. Und dass ich auch heut noch bei jedem Wetter reite und kein Weichling geworden bin und bei mir alles in Ordnung ist.” Der Einladung folgte der bejahrte General diesmal aber nicht.

Fünf Jahre später, im Dezember 1934 lud Kozma – nunmehr als Innenminister – den General wieder ein, überbrachte diesmal aber auch Horthys Einladung.  „Wir wären alle geehrt, wenn Eure Exzellenz die deutsche Botschaft in Budapest auch näher besichtigen würde, beispielsweise in dem wunderschönen Monat Mai”, formulierte der Reichsverweser.

Während 1929 kein besonderer diplomatischer Aspekt in Bezug auf einen eventuellen Mackensen-Besuch auftauchte, hatte sich diese Situation 1934 verändert. In jenem Jahr nahm die Reputation des Feldmarschalls in Deutschland beachtlich zu, nachdem am 2. August Paul von Hindenburg gestorben war. Nach dem Tod des Reichspräsidenten hatte der Sieger von Gorlice die Funktion des Doyens der ehemaligen kaiserlichen Armee inne. Die Reise nahm schließlich am 30. April konkrete Form an, nachdem der deutsche Gesandte in Budapest, Hans Georg von Mackensen – einer der Söhne des Feldmarschalls, – über die Genehmigung des deutschen Außenministeriums unterrichtet worden war.  (Forts. folgt)

Dávid Ligeti

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