VERITAS Institut für Geschichtsforschung und Archiv

Der erste Tag des Besuchs August von Mackensens in Ungarn wurde auf den 15. Mai angesetzt. Im Laufe der  deutsch‒ungarischen diplomatischen Abstimmungen kam es zu dem  Entschluss, dass der Besuch keinen politischen Charakter tragen darf und daher die folgenden Programme beinhalten soll:

  • Privatbesuch des Feldmarschalls beim Reichsverweser
  • Begrüßung durch das Mackensen Husarenregiment zu Ehren des 20. Jahrestages  als Regimentsinhaber
  • An den Programmen können keine Diplomaten und Politiker fremder Staaten sowie deren Pressevertreter teilnehmen.  

Zwei Tage vor der Ungarn-Reise empfing Hitler den Feldmarschall in der Berliner Reichskanzlei und betraute ihn mit der Aufgabe,  Horthy einen Brief zu überreichen. Auf diese Weise leistete Mackensen dennoch eine diplomatische Mission, obwohl der streng private Charakter des Besuchs dahingestellt war. Diplomatie-historische Arbeiten widmen diesem Dokument kein allzu großes Augenmerk, daher halte ich es zweckdienlich, die wichtigsten Teile zu zitieren:

 „Euer Durchlaucht!

Anläßlich des Besuches des Generalfeldmarschalls von Mackensen möchte ich meiner tiefen  Freude Ausdruck geben für die Ehre, die diesem letzten großen deutschen Feldmarschall des Weltkrieges durch den Empfang bei Ew. Durchlaucht erwiesen wird. Ich möchte daran anschließen meinen Dank für das Schreiben, das Ew. Durchlaucht an mich zu richten die Güte hatte. Ich habe daher den  Herrn Generalfeldmarschall gebeten, diesen Brief Ew. Durchlaucht persönlich als Zeichen meiner Freude und Dankes überbringen zu wollen.

Die Probleme, die Sie, Herr Reichsverweser, in Ihrem Schreiben an mich berühren, liegen im Rahmen des Kampfes der beiden Nationen um ihre Gleichberechtigung und der Wiedergutmachung des an ihnen geübten Unrechts. Ich habe dabei einen Weg gewählt, der vielleicht zunächst Vielen unverständlich erscheinen konnte, allein er ist, glaube ich, der einzige, der zum Erfolg führen kann. Ich habe das volle Verständnis dafür, dass Ungarn aus seinen Bedürfnissen heraus ebenfalls von allen ihm gebotenen Möglichkeiten Gebrauch macht. Ich sehe als das wichtigste der deutschen Bestrebungen die Wiederherstellung der Suveränität des Reiches an. Ich sehe in ihr eine bessere Garantie für den mitteleuropäischen Frieden als in all den Pakten, die augenblicklich projektiert oder abgeschlossen werden. Dieser Aufbau der neuen deutschen Wehrmacht – der in einem sehr hohen Masse fortgeschritten ist – und schon jetzt dem deutschen Volke ein stolzes Gefühl innerer und äusserer Sicherheit gibt, zwingt mich zu einem Handeln, das auf den ersten Anblick vielleicht brüsk  erscheinen mag, tatsächlich aber nur dadurch zum Erfolg führen konnte. Niemals hätten die im Völkerbund versammelten europäischen grossen und kleinen Mächte die deutsche Aufrüstung freiwillig zugestanden! Es musste eine vollendete Tatsache geschaffen werden. Allein ich verstehe ebenso, dass andere Umstände oder Sachlagen auch andere Mittel erfordern. In einem sind die Staatsführungen beider Länder einig nämlich in dem Bestreben, die Wiederherstellung der Ehre und Unabhängigkeit der beiden Staaten – wenn irgend möglich ohne Krieg – zu vollziehen, ja um gerade dadurch für die Zukunft das Unglück eines europäischen Krieges zu vermeiden. […] Indem ich nochmals für den freundlichen Empfang des Generalfeldmarschalls v. Mackensen danke, verbinde ich damit meine aufrichtigsten Wünsche für das persönliche Wohlergehen Ew. Durchlaucht!”⃰

Hitlers Brief zeigt sehr wohl, wie vorsichtig  die deutsche Diplomatie kaum einige Wochen nach Einführung des Wehrdienstes im Deutschen Reich war.

⃰ Hitlers Schreiben an Horthy vom 13. Mai 1935, im Original, herausgegeben vom Ungarischen Landesarchiv, 1965, 3. Ausgabe

 

                                                                                   Veröffentlicht: Dávid Ligeti

                                                                                   Bildquelle: found-places.blogspot.com