VERITAS Institut für Geschichtsforschung und Archiv

Törökkoppány ist ein kleines Dorf im Komitat Somogy. Heute ist es nach der Einwohnerzahl noch kleiner als einst. Dort wurde ich geboren, mit ihm verbinden mich meine Erinnerungen, die mir immer öfter in den Sinn kommen, wie die acht Jahre als Ministrant in der dortigen Barockkirche, als ich mich "für einen Minister" halten konnte, denn der Ministrant war bei uns Minister. Lebhaft ist mir auch die Zeit des Wartens vor Weihnachten in Erinnerung.

Ich weiß nicht, woher die Sitte kam: Am Nachmittag des Heiligen Abends liefen wir Kinder des Dorfes – damals  waren wir noch ziemlich viele – mit Glöckchen in den Händen  auf und ab und warteten auf das Christkindlein. So war es etwa bis zu meinem Alter von zehn Jahren, als  herauskam, dass der Weihnachtsbaum von meinen Eltern aufgestellt wird. Doch nicht das war wichtig, sondern die gemeinsame Freude! Ich erinnere mich an die zauberhafte Stimmung der Mitternachtsmessen, den kurzen Spaziergang von unserem Haus zur Kirche bei oft wunderschönem Schneefall und Frost. Nach der Mitternachtsmesse wieder zurück, nach Hause – und zu Hause das Verzehren des bis dahin fertigen Backkürbisses... Die Familie war zusammen: meine Mutter, mein Vater, die Großeltern mütterlicher- und väterlicherseits, meine Uroma mütterlicherseits, der jüngere Bruder meiner Mutter und die verwitwete jüngere Schwester meines Großvaters, deren Mann 1942 in der fernen Sowjetunion den Heldentod gefunden hatte. An solchen Abenden erinnerten wir uns an ihn und an die schon gestorbenen Familienmitglieder, unter ihnen an den 1943 ebenfalls am Don vermissten Unteroffizier und Befehlshaber eines Zuges Sándor Szakály, nach dem ich meinen Namen bekam. Er war das erste männliche Mitglied der Familie Szakály – der Bäcker Sanyi –, der nicht Stiefel- und Schuhmacher geworden war.

Meinen letztgenannten Vorfahren kann ich verdanken, dass mir die Füße selbst in der kalten, nicht einmal vom Hauch der Gläubigen erwärmten Kirche niemals froren. Meine kleinen Schürschuhe hielten mich immer warm. Wie die bescheidene Krippe von Betlehem und die Augen der Gläubigen Wärme ausstrahlten, als wir gemeinsam die Weihnachtslieder sangen und die Sorgen und Übel vergaßen, weil die Liebe in dieser Zeit auch von denen kam, die oft der Meinung waren, dass man sie gar nicht braucht. Obwohl: Aber gerade das braucht man am meisten: Glaube, Hoffnung und Liebe.

So sollte es auch in diesen Tagen bei uns sein!

Bildquelle: ©Katalin Szalma