VERITAS Institut für Geschichtsforschung und Archiv

Mackensen reiste am 14. Mai  1935 von Berlin in einem gesonderten Salonwagen der Bahn nach Passau, wo er auf den ungarischen Dampfer Zsófia umstieg und die Reise nach Budapest auf der Donau antrat. Ironischerweise ermöglichte ihm gerade das Friedenssystem von Versailles diese Art des Reisens, denn der Fluss galt als internationaler Wasserweg. Österreich empfing nämlich den General kühl und erlaubte ihm nicht einmal vor Anker zu gehen. Das Verhalten der österreichischen Regierung basierte darauf, dass kein Jahr seit der Ermordung von Dollfuß vergangen war, die ziemliche Spannungen im deutsch–österreichischen Verhältnis hervorgerufen hatte. Über die Entwicklungen am 14. Mai können wir uns aufgrund des Berichts der deutschen Gesandtschaft in Wien vom 18. Mai 1935 ein authentisches Bild machen, in dem es u.a. hieß:

Mackensens Reise nach Budapest  wurde auch in Österreich mit lebhaftem Interesse verfolgt. Die österreichische Regierung habe keinerlei offizielle Note zur Begrüßung des Generalfeldmarschalls herausgegeben, die deutsch-gesinnte Bevölkerung sei zu Fuß zur Donau gelaufen, um durch die Begrüßung ihr Verhältnis zum deutschen Bündnis zum Ausdruck zu bringen. Besonders viele seien bei Linz beziehungsweise in der Wachau erschienen, wo die Menschenmasse Heil Mackensen! gerufen habe. Trotz der Tatsache, dass das Schiff bei Nacht in Wien eintraf, seien auf den Donau-Brücken mehrere hundert Menschen erschienen, die den General grüßten, als sein Schiff unter ihnen vorbeifuhr. Während die österreichische Presse von diesen Entwicklungen und den Ereignissen des Ungarn-Besuchs kaum Notiz genommen habe, sei in der Zeitung Stunde ein Kommentar erschienen, der die Reise des Feldmarschalls einen neuen und unfreundlichen Schritt der reichsdeutschen Organe gegen Österreich genannt habe. In österreichischen Regierungskreisen tauchte auch die Meinung auf, dass die Deutschen Mackensen demonstrativ und absichtlich langsam durch das Land reisen ließen.

Der Feldmarschall traf am 15. Mai in Budapest ein, sein Schiff legte an der provisorischen Schiffshaltestelle auf der heutigen Belgrad-Uferstraße an – damals war hier noch das Gebäude der deutschen Gesandtschaft. Im Empfangskomitee nahm auch sein Sohn Platz. Schon bei seiner Ankunft wurde Mackensen von einer begeisterten Menschenmenge bejubelt, so erklärte er auch: „Mit einem solchen Empfang habe ich gar nicht gerechnet!”

Mackensens Erklärungen wurden in der Landespresse veröffentlicht, insbesondere jene Gedanken zitiert, die sich auf Ungarn bezogen: „Es ist mir ein Bedürfnis, ... aussprechen zu können, dass ich das, was ich erreicht habe, nur dank der Gnade Gottes, dank dem Vertrauen meines Kaisers und Königs erreicht habe, dass aber die Tapferkeit und Kriegstüchtigkeit der herrlichen Truppen, darunter die Söhne Ungarns, die mir zur Lösung der großen Aufgaben zur Verfügung gestellt wurden, den Ausschlag gegeben haben!ˮ Der Ruhm stehe allein diesen Truppen, unter ihnen den herrlichen Truppen Ungarns zu. Das Würfeln vom 2. Mai [der Durchbruch bei Gorlice] sei gelungen. Das sei der letzte Tag gewesen, als es in der Kriegsführung auch Lyrik gegeben habe. Er habe sich an das herrliche Spiel, an die Blumen des Frühlings und daran erinnert, mit welch herrlichem Schwung die Truppen  ihren Angriff starteten. […] Dankbar habe er des Menschen gedacht, der ihm diesen Besuch ermöglicht hatte, an Admiral Horthy, den Ungarn zu seinem Reichsverweser gewählt hatte. Er war nicht nur seinen Husaren, sondern allen Ungarn für den warmen Empfang dankbar. Er brachte  seine Dankbarkeit den ungarischen Ärzten gegenüber zum Ausdruck, die mit ihrer meisterhaften Kunst  das Leben seines Sohnes gerettet hatten. Weiter führte er aus, dass er keinen einzigen  Moment und keinem einzigen ungarischen Menschen angekreidet habe, was ihm 1918 jene ungebetenen Menschen angetan hatten, die sich damals als Ungarns Fürsprecher  hinstellten. Er tadelte auch keinen einzigen Ungarn dafür, was man gegen ihn verüben wollte. Nur mit Bedauern habe er immer daran gedacht, dass diese Handlungen diesem Land übel angekreidet werden können. Er sagte auch, dass er nicht nur zu seinem Sohn, sondern zu seinem Bruder, dem ungarischen Husaren, heimgekommen sei.

Am Vormittag des 16. Mai empfing Horthy den General, am Abend Gömbös, Ersterer gab ein Gabelfrühstück, Letzterer ein Galadinner zu Ehren des Gastes. Tagsüber stattete Mackensen  der deutschen Heldentoten im Rákoskeresztúrer Friedhof einen Besuch ab.

Am 17. Mai besichtigte der Feldmarschall Stuhlweißenburg/Székesfehérvár. Der Gast kam in der Uniform der Zehner-Husaren in Begleitung von Kultusminister Bálint Hóman und Innenminister Miklós Kozma. Die Gäste fuhren zunächst mit dem Auto zum Denkmal des Infanterieregiments Nr. 69. („der Hindenburg-Soldaten”), wo sie ihre Ehrenbezeigung leisteten, dann ging es weiter zum Komitatshaus. Auf dem Platz vor dem Gebäude marschierten die militärische Ehrenkompanie und die Musikkapelle des Budapester Honved-Infanterieregiments Nr. I. auf sowie die ehemaligen Zehner-Husaren und die 3000 Mann starke Truppe der ehemaligen Soldaten des Infanterieregiments Nr. 69 und des Honved-Infanterieregiments Nr. 17. Vor dem Denkmal begrüßte der ehemalige Regimentskommandant der Zehner-Husaren Erik Toepke den Feldmarschall, dann sprach Mackensen. Seine Worte übersetzte Miklós Kozma ‒ in seiner Eigenschaft als letzter  Regiments-Hilfsoffizier der Einheit ‒, der dann ebenfalls eine Rede hielt. Zum Motto für Mackensens Besuch in Székesfehérvár wurde seine Aussage, wonach es nicht wichtig sei, aus den Jungen Wissenschaftler werden zu lassen, sondern deren Charakter zu entwickeln. Man dürfe nie vergessen, die jungen Leute zu wahren Ungarn zu erziehen.                                                                                                                                                                                                                         

                                                                                                                          Von Dávid Ligeti

                                                                                                       Bildquelle: derrittmeister.com