VERITAS Institut für Geschichtsforschung und Archiv

Am 20. Mai hat der Feldmarschall von Kultusminister Bálint Hóman das Diplom seines Ehrendoktorats der Péter Pázmány Universität entgegengenommen; trotz des hohen Ranges des Gastes überreichte deshalb nicht der Rektor der Universität das Diplom, weil  Mackensen schon 20 Jahre früher ausgezeichnet worden war, es hatte jedoch keine Zeit gegeben, um es zu überreichen. Deshalb fasste die Leitung der Universität schon während des Krieges den Entschluss, die Diplome der neuen Ehrendoktoren im Rahmen einer großangelegten Feier zu übergeben, und diese Feier sollte dann abgehalten werden, wenn sich den Ausgezeichneten die Möglichkeit bot, dem Festakt persönlich beizuwohnen. Diese Gelegenheit dafür würde es aber voraussichtlich erst nach Kriegsende geben, so dass die neuen Ehrendoktoren erst dann geweiht würden. Mackensens Anwesenheit verband sich mit den Feierlichkeiten zum 300jährigen Bestehen der Budapester Universität. Anschließend kam es zu einem Treffen mit den Kommandanten und Rittern des Militär-Maria-Theresien-Ordens: Obwohl die Funktion des Ordenskapitels in der Horthy-Ära abgesichert war, fiel dennoch ein ungewöhnliches Schlaglicht auf die ungarischen Helden des Ersten Weltkriegs, was wegen der vermeintlichen und reellen legitimistischen Fäden nicht häufig der Fall war. Am Abend fühlte sich Mackensen unwohl, er brauchte Ruhe, daher gab es am nächsten Tag  keine Programme.

Am 22. Mai stattete Mackensen Generaloberst Arthur Arz, dem letzten Chef des Generalstabs der Monarchie, einen Besuch am Krankenbett ab. Arz war am siegreichen Feldzug im Jahr 1915 beteiligt, noch dazu hatte er als Kommandant des VI. Armeekorps unmittelbar eine Rolle am Durchbruch bei Gorlice übernommen, weshalb er auch persönlich über einen guten Kontakt zu Mackensen verfügte. Anschließend fuhr der General mit dem Schnelltriebwagen Árpád nach Bábolna, um dort das europaweit berühmte Gestüt zu besichtigen. Mackensen interessierte sich lebhaft für die Abstammung der Pferde sowie die Veredelungsmethoden und fühlte sich Meldungen zufolge sehr wohl. Danach reiste er weiter nach Magyaróvár, wo er sich mit dem Oberkommandierenden der Streitkräfte der Monarchie zwischen 1914 und 1916, Erzherzog Friedrich, traf.

Der Generalfeldmarschall reiste am 23. Mai 1935 vom Königreich Ungarn ab; bei  Dunaremete bestieg er den Dampfer Zsófia und kehrte auf der Donau nach Passau zurück. Wichtigster und positiver Ertrag seiner Reise war, dass sich seine Worte und seine ganze Persönlichkeit günstig auf die nationale Reputation Ungarns auswirkten, daher können wir von einer beachtlichen emotionalen Wirkung sprechen. Jetzt schien es das erste Mal so, dass die ungarischen Revisionsbestrebungen nicht nur von Italien, sondern auch vom Deutschen Reich unterstützt werden können.

Fünf Wochen später, am 1. Juli 1935 starb General Arz, der feierlich auf dem Friedhof an der Kerepesi Straße beigesetzt wurde, wofür es zuletzt in der Zeit des Dualismus Beispiele gegeben hatte. Durch diese beiden Ereignisse gilt 1935 als ein herausragendes Jahr des einheimischen Gedenkens an den Ersten Weltkrieg. August von Mackensens Rezeption in Ungarn ist nach dem Besuch spürbar lebhafter geworden: Eine Pferderennbahn und 1936 eine Straße in Budapest sind nach ihm benannt worden (heute ist sie die Alsó-Svábhegyi Str.). In der Wohnanlage Szemeretelep im Budapester Stadtteil Pestszentlőrinc trug von den 1920er-Jahren an eine Straße Mackensens Name (heute: Katalin Varga-Str.) – ähnlich wurden Straßen nach mehreren deutschen und österreichisch–ungarischen Generälen benannt.

Mackensens Reise ging gewissermaßen Hermann Görings Besuch im Mai 1935 voraus, der lediglich 36 Stunden nach dem Feldmarschall in Budapest eintraf. Die Tatsache, dass zwei so hochrangige Persönlichkeiten innerhalb eines Monats das Königreich Ungarn besuchten, signalisierte sehr wohl die Erkenntnis der Wichtigkeit Südost-Europas für Deutschland, deshalb wurde beschlossen, dass man sich auch wissenschaftlich gesondert mit dieser Region befassen muss. Der Besuch des preußischen Ministerpräsidenten, der zugleich offiziell auch seine Hochzeitsreise bedeutete, wurde nämlich in Jugoslawien und Bulgarien fortgesetzt.

Im Lichte dessen konnte Mackensen am 29. Mai zu Hitlers Zufriedenheit berichten, dass Horthy unbedingt Vertrauen in das Deutsche Reich setzte und die im Weltkrieg gestärkten deutsch–ungarischen Beziehungen weiter gefestigt werden sollten. Der General berichtete über die warmherzige Aufnahme und darüber, dass die ungarische Armee das alte preußische Niveau bot.  Zweifellos war die Tatsache, dass die Sache der Revision den Schlüssel in der Festigung der deutsch–ungarischen Beziehungen bedeutete, zum ersten Besuch Horthys  in Deutschland kam es jedoch erst 1936.

Die Bedeutung Mackensens Reise für Ungarn erfasste dennoch vielleicht ein Pressebericht am besten: „Die Anerkennung des großen Helden des Kriegs erhebt dieses innere Gefühl von uns auf den Rang des äußeren und kompetenten Urteils, und da er durch seine Anerkennung auch die Heldenhaftigkeit an sich achtet, verbeugt er sich vor dem, was stets die größte Stärke und der größte Stolz der ungarischen Nation war.”

                                                                                                                          Von Dávid Ligeti

                                                                                                          Bildquelle: journal.lhbsa.de