VERITAS Institut für Geschichtsforschung und Archiv

Bald erscheint das Jahrbuch 2019 des VERITAS Instituts für Geschichtsforschung und  Archiv, in dem herausragende Vertreter der ungarischen Geschichtswissenschaft auf über 500 Seiten ihre niveauvollen Arbeiten veröffentlichen. Der gemeinsam mit dem Verlag Magyar Napló herausgegebene Band kann auch bei einer breiteren Leserschaft auf Interesse zählen. Deshalb publizierte die Tageszeitung Magyar Hírlap am 11. Dezember die Einleitung des Generaldirektors des Instituts.

An den Leser

Nunmehr ist es das fünfte Mal, dass ich  auf diese Weise all jene begrüßen kann, die das Jahrbuch des VERITAS  Instituts für Geschichtsforschung und Archiv in die Hand nehmen und lesen. Unser Band beinhaltet im Jahr 2019 verfasste Beiträge für das Jahrbuch,  die uns Mitarbeiter des Instituts und Archivs sowie unsere mit uns verbundenen externen Autoren zur Verfügung gestellt haben und die – wie ich meine – mit Interesse rechnen können. Denn die Studien und Quellennachweise der Autoren bringen uns weniger bekannte Details, umstrittene oder vergessene „Elemente” und weniger bekannte Persönlichkeiten der ungarischen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts näher.


Ich selbst bin der Ansicht, dass es (auch) in diesem Jahrbuch gelungen ist, die einzelnen Beiträge zu einem Strauß zu formen, dass sie nicht nur über die erwähnten beiden Jahrhunderte, sondern auch ein Bild über die Arbeit vermitteln, die nunmehr seit bald sieben Jahren im VERITAS Institut und Archiv geleistet wird.

Seit dem 2. Januar 2014, der Entstehung des Instituts, hat sich um uns herum vieles verändert, auch bei uns hat sich dies und jenes ereignet.

Vielleicht ist es nicht jedem aufgefallen, dass der Name von VERITAS erweitert wurde – seit 2019 lautet er Institut und Archiv ‒, was zugleich bedeutet, dass der Umfang der Aufgaben und die Menge der Arbeit gewachsen sind, die wir nun mit einem fast fünfzigköpfigen Team bewältigen. Diese Garde von Mitarbeitern hält sich in ihrer Forschungstätigkeit und Aufarbeitung nach wie vor das für VERITAS gewählte Motto vor Augen – „…man darf nicht lügen”. Wir alle sind der Meinung, dass es die Aufgabe des Historikers und des Archivars ist, seine Feststellungen zum gegebenen Themenkreis oder Fragenkomplex nach gründlichstem Quellenstudium und nach bestem Wissen zu formulieren. Denn Themen gab es, gibt es und wird es immer geben. Vielleicht gibt es Menschen, die meinen, dass wir schon alles über die Vergangenheit wissen und uns vergebens damit beschäftigen. Inzwischen stellt sich heraus, dass wir uns gewiss in nicht wenigen Fällen mit einem Mangel an Kenntnissen auseinandersetzen müssen. Diesen Mangel zu beheben ist auch Aufgabe und Interesse eines jeden Forschers auf seinem eigenen Forschungsgebiet. Und wenn erforderlich, muss er sich auch Diskussionen und Kritiken stellen und diese Schritte tun.

Diskussionen und Kritiken wurden und werden auch  VERITAS gegenüber formuliert, was nicht schlimm ist, denn auch aus ihnen kann man lernen. Wir haben auch in den vergangenen fast sieben Jahren gelernt und  unsere Arbeit getan. Konferenzen wurden und werden organisiert. Unsere Mitarbeiter nahmen als geladene Vortragende sowohl im Inland als auch außerhalb der Landesgrenzen an Konferenzen teil, die von anderen organisiert wurden. Wir fühlen uns verpflichtet, Aufforderungen von ungarischen Gemeinschaften, die jenseits der Landesgrenzen leben, Genüge zu tun und auch persönlich all das über die ungarische Geschichte zu erzählen, was sie interessiert und was jedem in Form unmittelbarer Beziehung eine ganz andere Stimmung und ein anderes Gefühl bietet.

Wir werden freilich die Reihen unserer VERITAS-Bücher und der  VERITAS-Hefte nach wie vor  herausbringen und unser Jahrbuch alljährlich veröffentlichen. Wie ich bereits erwähnte, ist es diesmal das Jahrbuch des VERITAS Instituts für Geschichtsforschung und Archivs.  Als solches ist es das erste Vorwort des Generaldirektors, der das Institut gründete und nach Verlängerung seines Status als Generaldirektor am 1. Januar 2019 sein zweites Mandat antrat, und zugleich das fünfte Grußwort zum Jahrbuch an den Verehrten Leser, während der Band in dieser Reihe der sechste ist.

Sie können sich fragen, warum ich wieder schreibe, wenn das VERITAS-Jahrbuch 2018 auch ohne Grußwort des Generaldirektors gut ausgekommen ist: Der Kern liegt sowieso nicht darin, ob es eine Einleitung gibt oder nicht. Auch ich selbst habe eine Weile darüber gegrübelt und bin zum Schluss gekommen: Ich mache Gebrauch von meinen Möglichkeiten (und missbrauche sie), und beschreibe auf dieser Seite kurz, warum Sie das vorangegangene Jahrbuch ohne ein Grußwort an die Leser in die Hand nehmen mussten. Der Grund war nicht die Gestaltung einer neuen Konzeption, sondern der gemeinsame Wille von Leben/Schicksal/Vorsehung. Vom 1. April 2019 an verbrachte ich 226 Tage im Krankenhaus, schwankend an der Grenze zwischen  Leben und Tod, damit schlussendlich die für mein Überleben geschätzte einprozentige Chance die neunundneunzig Prozent besiegt, die sie verhindern wollten. So sind diese an Sie gerichteten Zeilen eine Bestätigung meiner Rückkehr ins VERITAS Institut und ein Beweis dessen, dass  gemeinsamer Wille und Opferbereitschaft – die ich seitens meiner Ärzte, Pfleger, Lieben und Kollegen erfahren konnte – uns über alle Schwierigkeiten, über physisch-seelische Prüfungen hinweghelfen können. Bewiesen wird es durch unsere Existenz, die Erhaltung und den Fortbestand des Ungartums nach dem für uns so tragischen Friedensdiktat, das am 4. Juni 1920 im Großen Trianon-Palais in Versailles unterzeichnet wurde und dessen Auswirkungen bis heute zu spüren sind. Trotz allem kann man mit den Worten des Dichters Vörösmarty (in seinem Mahnruf) sagen: „So lebt, vom Schicksal heimgesucht, ...  Dies Volk in seinem Land.ˮ

Ich wünsche Ihnen, dass es auch weiterhin so bleibt, und tun wir auf unsere Weise auch einzelne kleine Bausteine zu unserer gemeinsamen Vergangenheit und Gegenwart, um auch dadurch unser Recht auf Zukunft zu untermauern. 

                                                                                                           Sándor Szakály