VERITAS Institut für Geschichtsforschung und Archiv

Kurz nach Abschluss des Zweiten Weltkriegs hat die Vorbereitung auf die Friedensverhandlung begonnen. Die Hauptaufgaben versah unter Anleitung des Außenministeriums die Kommission zur Friedensvorbereitung, deren Arbeit auch Militärexperten unterstützten. Den Großteil ihrer Tätigkeit bedeutete die Erstellung von Materialien, die mit dem Aufbau der neuen Streitkräfte nach dem Weltbrand, der Frage der Kriegsgefangenen und der Gestaltung der Grenzen verbunden waren. Ihre Rolle war auch deshalb von Bedeutung, weil Rumänien im Frühjahr 1946 den Sowjets mehrere Materialien in Bezug auf die Siebenbürgen-Frage zukommen ließ. Sie baten um die Bestätigung der Grenzlinie von Trianon, unterbreiteten ihre Wiedergutmachungsforderungen und legten ihre militärische Beteiligung an der Seite der Sowjetunion detailliert dar.

Von ungarischer Seite war es also wichtig, mit welchen Argumenten man bei der Friedensverhandlung auftreten kann. Das Dokument, das sich mit Rumänien beschäftigte, wurde von dem Journalisten László Gáspár zusammengestellt. Um Materialien zu sammeln, erstellte er Auszüge aus den wichtigsten Presseerzeugnissen des Landes, die in der Bibliothek des Parlaments aufzufinden waren. Er hob hervor, dass der Austritt am 15. Oktober 1944 schon wegen der schwachen ungarischen Streitkräfte nicht gelingen konnte, Rumäniens Übertritt hingegen war auch wegen seiner bedeutenderen Armee erfolgreich. Darauf wirkte sich ebenfalls positiv aus, dass Ungarn erst von 1938 an eine stärkere Entwicklung seiner Armee in Angriff nehmen konnte, während es seinem südlichen Nachbarn möglich war, damit gleich nach Ende des Großen Krieges zu beginnen.

Daher ist es kein Wunder, dass er am Feldzug gegen die Sowjetunion mit 22 Divisionen und 700.000 Mann teilnehmen konnte, was bedeutend mehr war als die ungarischen Militärkräfte, die für ein ähnliches Ziel bereitgestellt wurden. Auch sie charakterisierten den Krieg gegen die Sowjetunion mit dem Ausdruck „Kreuzzug gegen den Bolschewismusˮ. Hitler unterstellte die rumänischen Truppen Antonescu, das gesamte rumänische Heer wurde mobilisiert, hob der Bericht hervor und befasste sich ausführlich damit, welche Verluste sie den Sowjets zugefügt hatten. Es wurden insgesamt 792 Maschinen von ihnen abgeschossen, 3.218.101 kg Bomben auf sie abgeworfen, die Rumänen verloren 5.998 Offiziere, 2.633 Unteroffiziere und 148.911 gemeine Soldaten. Gáspár notierte weiter ebenfalls ausführlich, um wie viele Personen es in welchen Etappen des Krieges bis 1942 ging. Laut seines Berichtes schrieb die rumänische Presse über Ungarns Teilnahme am Feldzug gegen die Sowjetunion: „Die Nachricht über Ungarns Eintritt in den Krieg wird in der rumänischen Presse mit Kleinbuchstaben »versenkt«, um auch dadurch Ungarns völlig untergeordnete und nebensächliche Rolle im Kampf gegen die Sowjet-Union zu betonen. Diese Tendenz kam im Laufe des Krieges bis zum Schluss zur Geltung…”

Gáspár zählte die von Hitler ausgezeichneten rumänischen Führer und ihre Auszeichnungen auf. Aus der Presseschau geht hervor, dass Rumänien die innenpolitischen Ereignisse in Ungarn während des Kriegs aufmerksam verfolgte. Mehrere Zeitungsnummern fehlten, die des Jahres 1944 vollständig, eine aus dem Jahre 1943 ebenfalls, die die gesamte Liste der Verluste zusammenfasste. Nach Gáspárs Erinnerungen machten Rumäniens Verluste bis dahin eine halbe Million Menschen aus. In Bezug auf die bis 1944 sicher erschlossenen  Daten schrieb er Folgendes: „Allein diese Verluste machen das Mehrfache der ungarischen Verluste aus und bringen so deutlich zum Ausdruck, mit welch größerer Kraftentfaltung Rumänien am Krieg gegen die Sowjetunion teilgenommen hatte als Ungarn.” Für die Beteiligung am Krieg wurde eine Volksabstimmung ausgeschrieben: Es gab  3.391.160 unterstützende Stimmen und 65 mit Nein. Der Autor hob hervor, dass  unser südlicher Nachbar im Laufe der Okkupation Ungarns an der Grenze Nord-Siebenbürgens mit Militär aufmarschierte.

Obwohl Stalin  die Grenzkorrektur gegenüber Rumänien zur Sprache brachte, dachte er das aber selbst nicht ernsthaft; sein Ziel mit alldem war es, die kommunistische Machtübernahme in beiden Ländern voranzubringen. Rákosi verkündete daher in seiner Wahlkampagne 1945 laut, dass es eine größere Chance für die Unterzeichnung eines für das Land günstigen Friedensvertrages gebe, falls die „demokratischen” Kräfte, also sie selbst, die Wahlen gewinnen. Die rumänischen Kommunisten betrieben eine ähnliche Propaganda. Die Grenzfrage war schon viel früher entschieden worden, so „produzierte” die ungarische Friedensvorbereitung vergebens eine beachtliche Menge an Expertenmaterial, dem Verlierer ist es nur gelungen, bei den Verhandlungen kleinere Ergebnisse zu erzielen.

                                                                                                                                  Dávid Kiss