VERITAS Institut für Geschichtsforschung und Archiv

Wenn wir ein Jahr hinter uns wissen, machen wir in den meisten Fällen eine Art Abrechnung. So tue ich das jetzt auch selbst und versuche als Generaldirektor des VERITAS Instituts für Geschichtsforschung und Archiv all das kurz zusammenzufassen, was für uns im Jahr 2020 wichtig und entscheidend war.

Zunächst muss ich mich bei all meinen Mitarbeitern, Forschern, Archivaren und den Kollegen der Verwaltung bedanken, dass sie vor meiner Rückkehr im Frühjahr  und auch danach – in allen Bereichen im Institut in dieser nicht gerade leichten Situation standgehalten haben. COVID 19!   das sagt alles, denke ich, es muss nicht besonders hervorgehoben werden, welche Schwierigkeiten das uns allen bereitete, und das Leben ist dennoch nicht stehen geblieben.

Solange es möglich war, hielten wir unsere Veranstaltungen mit Publikumspräsenz  ab, und als das nicht mehr möglich war,  in Online-Form. Kein einziges unserer geplanten Programme - nicht einmal die schon gewohnten „VERITAS Abende” – ist ausgefallen! Sie durften nicht ausfallen, denn das Jahr 2020 war für das Ungartum auch das Zentenarium eines tragischen Ereignisses, der Unterzeichnung des Friedensdiktats von Trianon vor hundert Jahren, woran sich ein jeder von uns erinnern muss(te).

Das VERITAS Institut für Geschichtsforschung und Archiv hat vor einigen Jahren ein Forschungsprogramm als Schwerpunkt in Verbindung mit diesem für das Ungartum traurigen Ereignis und dessen Folgen begonnen: Trianon und die ungarische Hochschulbildung, das zahlreiche strittige Fragen der ungarischen Vergangenheit im 20. Jahrhundert in ein neues Licht rücken kann. Und das wird auch heute fortgesetzt. In Zusammenhang mit diesem Programm belegen Konferenzen, veröffentliche Bücher und zahlreiche Beiträge in Zeitschriften und Tageszeitungen die begonnene und erfolgreiche Arbeit. Es ist ebenfalls hervorzuheben, dass unsere Präsenz in den Medien in den vergangenen Jahren, insbesondere aber 2020, bestimmend geworden ist. Meines Erachtens ist die Vermittlung von Kenntnissen an das große Publikum in dieser Form am wirksamsten. Wir sind bestrebt, dementsprechend zu handeln. Leider ist unsere persönliche Beteiligung an ausländischen Konferenzen und an ungarischen Gemeinschaften außerhalb der Landesgrenzen, die in früheren Jahren bereits üblich waren, weggefallen. Hoffentlich wird es gelingen, sie in einer erhofft besseren Situation wieder aufzunehmen.

Es gab auch erfreuliche Dinge. Unsere Kollegin Mónika Kovács V. konnte aus Anlass des 20. August 2020 (Nationalfeiertag – d. Red.) die Auszeichnung Ungarisches Verdienstkreuz in Bronze entgegennehmen, während unser Kollege Dr. Dávid Ligeti mit dem Bezerédj-Preis 2020 der gleichnamigen Stiftung ausgezeichnet wurde. Hier und auch auf diesem Wege gratuliere ich ihnen beiden erneut!

Ich bin der Ansicht  und empfinde, dass unsere seit dem 2. Januar 2014 wirkende  Institution in den zurückliegenden Jahren ungeachtet nicht wenigen Kritikasterns und unwürdiger Angriffe ihren Platz in der Welt der ungarischen Wissenschaft und der öffentlichen Sammlungen gefunden hat und dass sie mit ihrer fachlichen Leistung hin und wieder auch die Anerkennung derer gewinnt, die das VERITAS Institut einst mit Vorbehalten aufgenommen hatten. Das ist gut und beruhigend, für uns ist aber, so meine ich, die gewählte Devise des Instituts „…lügen darf man nicht” entscheidend. Wenn wir unsere Arbeit – denn zu lösende Aufgaben haben wir reichlich, u.a. die Schaffung einer Gulag-GUPVI-Gedenkstätte in Cegléd (etwa 70 km südöstlich von Budapest) -, auch in Zukunft in diesem Geiste fortsetzen, werden sicherlich auch die Meinungen über uns mehr Positives als Negatives enthalten.

Abschließend möchte ich erneut meinen Dank gegenüber all meinen Mitarbeitern und all jenen aussprechen, denen die Existenz und die Tätigkeit von VERITAS wichtig sind und die der Ansicht sind, dass es verdienstvoll ist, dem Gemeinwohl zu dienen; und vielleicht werden auch die Entscheidungen, in deren Sinne immer mehr Mitglieder der einstigen ungarischen Emigration ihre wertvollen Sammlungen, die eine beachtliche Hilfe zur Erforschung der ungarischen Vergangenheit darstellen, dem VERITAS Institut anbieten, diese Feststellung bestätigen.

Diese Verpflichtungen können ebenfalls belegen, dass die uns trennenden Grenzen, die 1920 im Großen Trianon-Palais von Versailles, später 1947 in Paris gezogen wurden, symbolischen Charakter erhalten können, wenn wir an die Zusammengehörigkeit, die gemeinsame ungarische Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft glauben!                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                Sándor Szakály

      Bildquelle: © Árpád Kurucz